Kleintiere

schoko.greenbeer

Schokoladenvergiftung!

Häufig erhalten wir besorgte Anrufe: Unser Hund hat gerade Schokolade gegessen! Schön, dass die Menschen im Zeitalter von Dr. Google informiert sind, aber die Informiertheit schlägt leider viel zu schnell in Panik um! Da ich aber letztens tatsächlich eine Schokoladenvergiftung in der Praxis hatte, möchte ich an dieser Stelle ein paar Fakten zusammentragen, damit man die eventuelle Gefahr richtig einordnen kann!

Schokolade enthält das Alkaloid Theobromin, das zur Gruppe der Methylxanthine gehört. Nach Aufnahme einer größeren Menge Schokolade kann es binnen von 2 Stunden zu Vergiftungserscheinungen kommen. Die Auswirkung und die Symptome sind vor allem dosisabhängig, dies wiederum hängt von der Art der Schokolade (Milchschokolade, dunkle Schokolade, etc.) ab. Je mehr Kakao-desto mehr Theobromin!

Ab welchen Mengen treten nun Symptome auf?

Die minimale letale Dosis von Theobromin beträgt 100mg/kg p.os beim Hund. Milde Symptome können bereits ab 20mg/kg auftreten, lebensbedrohlich werden sie bei 60mg/kg.

Der Gehalt an Theobromin ist in verschiedenen Produkten wie folgt:

-Michschokolade 1,5-2 mg/g

-dunkle Schokolade 5-8 mg/g

-Kakaopulver 14-26 mg/g

-weisse Schokolade enthält praktisch kein Theobromin!

Die wichtigsten Symptome sind: Durchfall/Erbrechen, ZNS-Symptome, Herz-Kreislauf-Symptome

  • 20 mg/kg: Durchfall & Erbrechen, Durst
  • 40-50 mg/kg: Tachycardie, Arrythmien
  • >60 mg/kg: Krampfanfälle, Bewußtseinsstörungen
  • 100 mg/kg letal innerhalb von 12-36 Stunde

Therapie der Wahl: Erbrechen auslösen! Dafür haben wir aber nur ein sehr eng begrenztes Zeitfenster von max. 1-2 Stunden! Danach können wir nur die Symptome behandeln!

 

Um es kurz zu sagen:

Für die ersten Symptome muß ein 20 kg schwerer Hund 400 g Schokolade essen! Das sind ganze 4 Tafeln!….und das kommt zum Glück nicht so häufig vor!

Quelle: vetpharm

Fotoquelle greenbrier-emergency.com

 

Neues Hundegesetz!

Ein neues Hundegesetz wird Anfang 2016 in Schleswig-Holstein in Kraft treten. Die bisherige Rasseliste gefährlicher Hunde wird abgeschafft. Künftig werden Hunde erst dann als gefährlich eingestuft, wenn sie auffällig geworden sind – etwa durch Beißattacken – und nicht, weil sie leider im falschen Mantel geboren wurden! Das freut uns! Noch besser: eine „Resozialisierung“ ist möglich! Das bedeutet: nach 2 Jahren können sie nach Bestehen eines Wesenstests wieder als nicht gefährlich eingestuft werden.

Allgemeine Pflichten

  • Leinenpflicht in bestimmten öffentlichen Bereichen, z.B. Fußgängerzone, Märkte, öffentliche Gebäude und Verkehrsmittel.
  • Mitnahmeverbot in bestimmte Einrichtungen, z.B. Kirchen, Theater, Badeanstalten oder auf Kinderspielplätze.
  • Anhand eines Halsbandes oder ähnlicher Kennzeichnung muss der Hundehalter ermittelbar sein.
  • Verbot der Ausbildung von Hunden mit dem Ziel gesteigerter Aggressivität.
  • Pflicht, Verunreinigungen durch den Hund unverzüglich zu entsorgen.

Ausnahme für Hunde mit besonderen Aufgaben

Ausnahmen gelten für Diensthunde von Behörden, Hunde des Such-und Rettungsdienstes sowie des Katastrophenschutzes, Blindenführhunde, Assistenz-und Therapiehunde, Herdengebrauchshunde und Jagdhunde.

Was ist neu ab 1.1.2016?

Kennzeichnungspflicht

Hunde die älter als 3 Monate sind, müssen elektronisch gekennzeichnet werden. Dafür setzen wir einen etwa reiskorngroßen Mikrochip unter die Haut des Hundes ein. Der Transponder muss dem ISO-Standard 11784 entsprechen und mit einem entsprechenden Lesegerät abgelesen werden können.

Gefährliche Hunde

Hunde werden künftig nur dann als gefährlich eingestuft, wenn sie auffällig geworden sind. Aufgrund ihrer Rasse dürfen Hunde nicht mehr als gefährlich eingestuft werden. Für Hunde, auf die das aktuell zutrifft, wird die zuständige Behörde die Einstufung zum 1.1.2016 automatisch widerrufen.

Sachkundeprüfung

Halter, deren Hund als gefährlich eingestuft wurde, müssen u.a. eine theoretische und praktische Sachkundeprüfung mit dem Hund ablegen (Hundeführerschein), um diesen weiterhin halten zu dürfen.

Für alle anderen Hundehalter ist die Sachkundeprüfung keine Pflicht!

Haftpflichtversicherung

Das bedeutet: Wer die Möglichkeit hat soll seinen Hund versichern. Eine generell verpflichtende Hundehaftpflichtversicherung bleibt in SH jedoch aus. Halter von gefährlich eingestuften Hunden sind in jedem Fall verpflichtet! Die Tierhalterhaftpflichtversicherung muss dann eine Mindestversicherungssumme von 500.000 Euro für Personenschäden und 250.000 Euro für Sachschäden beinhalten.

„Amnestie-Regelung“

Hunde, die aktuell – unabhängig von der Rasse – als gefährlich eingestuft sind, können von fachkundigen Spezialisten erneut beurteilt werden.

Zweite Chance

Die zuständige Behörde kann auf Antrag feststellen, dass die Gefährlichkeit eines Hundes nicht mehr vorliegt. Vorrausetzung ist ein bestandener Wesenstest sowie die Einschätzung eines Tierarztes, dass kein weiteres gefährliches Verhalten des Tieres zu befürchten ist.

Der Antrag kann frühestens 2 Jahre nach Feststellung der Gefährlichkeit und 1 Jahr nach bestandenem Wesenstest gestellt werden.

Hundesteuer

Unterliegt weiterhin den Kommunen. Den Kommunen steht es frei, Hundehaltern, die eine Sachkundeprüfung nachweisen, Ermäßigungen bei der Hundesteuer zu gewähren. Für sog. „gefährliche Hunde“ kann die Kommune weiterhin höhere Steuern verlangen.

Zuchtverbot

Ein Zuchtverbot für einzelne Rassen gib es nicht mehr. Es ist jedoch verboten, Hunde – egal welcher Rasse – mit dem Ziel einer gesteigerten Aggressivität gegenüber Menschen und Tieren zu züchten.

 

Rechtliche Grundlage:
Drucksache 18/3057: GefHG in Gesetz über das Halten von Hunden (HundeG)